Unter dem Licht des Krebs-Vollmondes entsteht ein Raum, in dem unsere Zugehörigkeit sich weitet und Spiritualität neu erfahrbar wird.
Rückbindung und Heilung unter dem Krebs-Vollmond.
Wenn der Vollmond im Krebs steht, öffnet sich für uns ein Feld, das nach Rückbindung verlangt. Der Krebs als Archetyp verweist auf den Raum der Herkunft. Unsere frühe Bindung, emotionale Prägung und das erste Erleben von Nähe und Schutz (oder deren Fehlen), legen in uns eine innere Landschaft an, noch lange bevor wir Worte dafür haben. In diesen frühen Erfahrungsräumen entsteht ein Gefühl für Sicherheit oder Unsicherheit, für Getragensein oder Alleinsein. Diese Eindrücke setzen sich in uns nicht unbedingt alle als Erinnerungen fest, sondern als Empfindungsmuster und emotionale Grundtöne, die unser späteres Erleben leise begleiten.
Was damals gefühlt, aber nicht richtig integriert werden konnte, bleibt im System und sucht im gefühlsbetonten Krebs Vollmond unsere Aufmerksamkeit. Möglicherweise als Stimmungen von einer unerklärlichen Wehmut oder in dem Wunsch nach Rückzug bzw. Nähe. Vielleicht aber auch in einer feinen Verletzlichkeit oder Wut, die plötzlich spürbar wird.
Der Vollmond im Krebs wirkt wie ein Spiegel für diese inneren Regungen. Er verstärkt sie, um uns einen Zugang zu gewähren. Wir sind dazu eingeladen, diesen Emotionen Raum zu geben und sie nicht länger zu übergehen oder zu regulieren. Wir bekommen die Möglichkeit, sie als Botschaften aus einer Zeit wahrzunehmen, in der wir noch ganz auf Resonanz angewiesen waren.
Aus einer Zeit, in der unser Nervensystem, Fühlen und Sein sich ausschließlich über Spiegelung orientierte. Einer Zeit, in der Nähe nicht gedacht, sondern gespürt wurde und in der Schutz keine Erklärung fand sondern einfach verkörpert war. Oder eben schmerzlich fehlte.
Diese Gefühle stammen also aus einem vorbewussten Raum. Sie tragen keine Geschichte und damit auch keine klaren Worte oder benennbare Ursachen. Sie sind wie Erinnerungen ohne Bild und gerade deshalb wirken sie im Erwachsenenleben oft unverständlich, übergroß oder fehl am Platz.
Doch in Wahrheit erinnern sie uns an etwas Ursprüngliches: daran, wie sehr wir auf Antwort angewiesen waren. Dort wo diese Resonanz ausblieb, lernte das System, sich selbst zu regulieren, sich anzupassen, sich zu verschließen oder zu überdehnen.
Selbst in Resonanz.
Wenn diese Gefühle heute auftauchen, dann nicht, um uns zurückzuwerfen, sondern um uns an den Punkt zu führen, an dem wir ihnen selbst Resonanz geben können. Der Vollmond im Krebs öffnet einen Raum, in dem wir diesen alten Empfindungen mit Reife, Präsenz und Weite begegnen können.
Gefühle werden hier zu Botschaften, die nicht abgeschüttelt sondern wahrgenommen werden wollen. Verstärkt durch das Licht des Krebs-Vollmondes müssen sie gesehen werden. Und zwar nicht um korrigiert zu werden, sondern um endlich gehört zu sein.
Emotionale Aletät.
Sie bedeutet hier nicht bloß Sensibilität, sondern eine tiefe Durchlässigkeit. Das Innen ist nicht klar getrennt vom Außen. Schon früh entwickeln sich Mechanismen, um Harmonie zu sichern. Nicht aus Schwäche, sondern aus einem archaischen Wissen heraus: Zugehörigkeit ist überlebenswichtig.
So lernen wir, Stimmungen zu lesen, Spannungen auszugleichen und uns anzupassen. Manchmal auch dort, wo Systeme nicht funktional sind. Harmonie wird dann nicht mehr Ausdruck von innerem Frieden, sondern zur Strategie, um Unruhe zu vermeiden. Diese Muster entstehen nicht bewusst sondern vorverbal. In einem Raum, in dem wir uns durch erspüren orientieren noch lange bevor wir kognitiv verstehen.
Der Vollmond im Krebs beleuchtet genau diese Schichten. Er bringt an die Oberfläche, was nicht mehr trägt und erlaubt unserem Blick, sich zu weiten. Denn vieles von dem, was wir und unsere Herkunftsfamilien tragen, stammt nicht allein aus eigenem Erleben. Wir sind immerhin auch Ausdruck eines Stammesbewusstseins, durch den die Erinnerung der Gruppe, die Erfahrung der Sippe, das unausgesprochene Wissen einer Linie wirkt. Denn noch bevor wir ein persönliches Ich entwickeln, sind wir bereits eingebettet in ein Wir.
Dieses Stammesbewusstsein ist wie ein Energiefeld, in dem Ängste, Hoffnungen, Überlebensstrategien und Werte gespeichert sind. Es wirkt ordnend, schützend und manchmal begrenzend. Und es sorgt dafür, dass der oder die Einzelne nicht aus dem Verband fällt, auch wenn dies bedeutet, eigene Impulse zurückzuhalten.
Über dieses Feld werden nicht nur Stärken und Ressourcen weitergegeben, sondern auch unerwünschte Blockaden. Traumata, Verluste, Schuld, Scham oder Krankheit, die nie vollständig integriert wurden, setzen sich im kollektiven Gedächtnis fest und suchen über nachfolgende Generationen nach Lösung. Sie folgen einem inneren Drang nach heilsamer Ganzwerdung.
Das, was mir durch Herkunft gehört.
In dieser Tiefe beschreibt die Formulierung der Zugehörigkeit einen größeren Zusammenhang. Sie meint den Platz im Stamm und damit im Netz der Beziehungen im überlieferten Rahmen. Sie benennt Verantwortung gegenüber dem Weitergegebenen, nicht nur um es blind fortzuführen, sondern um es bewusst zu machen und zu integrieren.
Die Ahnenlinie, die Mütter- und Väterhäuser sprechen hier nicht mehr individuell, sondern kollektiv. Die Sippe wirkt als lebendiges Feld, das durch jeden Einzelnen aktualisiert wird. In diesem Feld stellt sich nicht nur die Frage nach persönlicher Heilung, sondern nach dem, was im Namen vieler erlöst werden möchte.
Der Vollmond im Krebs öffnet einen Zugang zu dieser Gruppenseele. Er erlaubt es, das eigene emotionale Erleben nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines größeren Zusammenhangs. Gefühle, die scheinbar zu viel sind, bekommen hier unweigerlich ihren Platz. Sie werden lesbar als Stimmen des Feldes. Das Echo einer Geschichte, die durch uns spricht.
Eine Geste an das energetische Feld.
Der Vollmond markiert immer einen Höhepunkt. Etwas kommt zu seinem vollen Maß und wird sichtbar. Es verlangt nach Würdigung und nach einem Abschluss. Im Zeichen des Krebses richtet sich dieser Moment jedoch nicht auf äußere Ergebnisse, sondern auf innere Zustände.
Der Krebs als Archetyp steht für den inneren Raum, der schützt, nährt und bewahrt. Diese Energiequalität steht für das emotionale Gedächtnis, das nichts vergisst, was einmal Bedeutung hatte. Wenn der Vollmond dieses Zeichen erhellt, fällt das Licht genau in diesen Raum des Bewahrens. Und dieser bewahrt was war, oft länger, als es dienlich ist. Gerade deshalb eignet sich der Krebs-Vollmond, um innezuhalten und zu prüfen: Was halte ich noch, obwohl es seinen Dienst getan hat? Welche emotionalen Loyalitäten wirken weiter, ohne dass sie bewusst gewählt sind? Welche Bürde trage ich hier eigentlich?
Ein Ritual zu diesem Zeitpunkt ist dann weitaus mehr als nur eine Inszenierung. Wir finden in ihm eine Handreichung an das innere und äußere System. Es bietet einen Rahmen, in dem ein Abschluss möglich wird und in dem etwas verabschiedet werden darf, ohne unbedingt verloren zu gehen. Der Vollmond im Krebs unterstützt diesen Integrationsprozess, weil er nicht trennt oder abschneidet, sondern löst und entbindet.
Ritual im Krebs-Vollmond.
Spirituelles Wissen allein genügt nicht, denn es bleibt abstrakt, solange es nicht in gelebte Erfahrungen überführt wird. Ein Ritual gibt uns die Möglichkeit, uns durch bewusste und einfache Handlungen aus dem Denken zu lösen und die spirituelle Erfahrung in den Körper bzw. ins Erleben zu bringen.
Ein Ritual zu diesem Vollmond dient nicht allein der individuellen Klärung. Es wirkt in das Stammesbewusstsein hinein. Es ist eine Geste an das, was in Würde zurückgegeben werden darf.
Nicht an die Ahnen selbst und schon gar nicht in Abgrenzung oder Schuldzuweisung. Sondern an die Quelle, aus der diese Muster einst entstanden sind. Dorthin, wo sie gehalten, gewandelt oder aufgelöst werden können, ohne dass die Linie belastet wird.
In dieser Haltung kann Vergebung fließen, und das in beide Richtungen. Wenn wir auf das Urteilen verzichtet und beide Seiten anerkennen. Jene, die unter großer Mühe erduldeten und jene, die es nun wagen, diesem langen Weg ein Ende zu setzen. Ein Ende, dass seinen Anfang sucht und sich im Kreise schließt. Hier finden wir auch den Zugang zu einer Dankbarkeit, die die Gaben ehrt und den Segen erbittet. Wir kommen an einen Punkt, an dem sich Zugehörigkeit in eine bewusste Verbindung wandelt.
Ritualvorschlag.
Dieses Ritual ist keine Technik, sondern eine Haltung und stiller Ausdruck unseres Bewusstseins. Es ist eine Handreichung an das eigene System, aber auch an das größere Feld, in das wir eingebettet sind.
Bereite dir einen ruhigen Ort. Stelle eine Kerze vor dich und eine kleine Schale mit Wasser daneben. Das Wasser steht für das emotionale Feld, für Erinnerung, Reinigung und Fluss. Die Kerze hält das Licht der Bewusstheit und die klare Ausrichtung deiner inneren Entscheidung.
Wähle, wenn möglich, eine Kerze in Silber, Perlmutt, Weiß oder einem sanften Blau. All dies sind Farben, die die Mondenergie des Krebses tragen. Wir finden Geborgenheit, Intuition und emotionale Heilung.
Räuchere den Raum mit weißem Salbei oder Lavendel, um zu klären. Nutze Myrrhe, wenn du die Verbindung zur Linie zu öffnen willst oder arbeite mit einem Hauch Rosenöl, um das Herz weich und weit werden zu lassen.
Zeichne die Rune Odal auf ein Stück Papier oder lasse sie in deinem inneren Raum erscheinen. Sie steht für Herkunft, Sippe und Erbe. Nicht als Besitz, sondern als Raum, aus dem du hervorgegangen bist.
Setze oder stelle dich ruhig hin. Atme einige Male tief ein und aus. Spüre deinen Herzraum. Spüre den Boden unter dir. Spüre, dass du gehalten bist.
Rufe nun die Qualität dieses Vollmondes im Krebs an. Du kannst sprechen:
Ich öffne mich für die Qualität dieses Vollmondes im Krebs. Für Geborgenheit, für emotionale Tiefe, für die Heilung meiner Linie. Ich bin bereit zu sehen, was getragen wurde und zu entlassen, was nicht länger durch mich wirken soll.
Halte inne. Lass Bilder, Gefühle oder innere Regungen auftauchen, ohne sie zu bewerten. Erkenne die Muster, Blockaden oder unerfüllten Emotionen, die nicht allein aus deinem persönlichen Erleben stammen, sondern durch Herkunft, Linie und Stammesfeld weitergegeben wurden.
Dann sprich langsam und mit Pausen:
Ich erkenne an, was mir durch Herkunft wiederfahren ist.
Ich erkenne die Muster, die einst dem Überleben dienten.
Ich bitte die Quelle, aus der sie entstanden sind,
das zurückzunehmen, was nicht länger durch mich wirken soll.
Ich verzeihe meinen Ahnen
und bitte auch sie um Verzeihung.
In Dankbarkeit nehme ich die Gaben an,
die Stärke, den Schutz, die Bindungskraft, die Liebe und ihren Segen.
Was mir nicht mehr dient, gebe ich nun zurück,
in Würde und in Frieden an seinen Ursprung.
Tauche nun deine Hände in das Wasser. Spüre, wie sich etwas löst. Visualisiere, wie Belastendes sanft aus deinem Feld fließt und zur Quelle zurückkehrt. Als Heimkehr.
Die Kerze bleibt dabei als ruhige Zeugin. Sie hält das Licht deiner bewussten Entscheidung.
Sprich zum Abschluss:
Ich danke meiner Linie.
Ich danke dem Feld, das mich getragen hat.
Ich danke mir selbst für meine Bereitschaft zur Heilung.
Ich nehme meinen Platz neu ein
–verbunden, aber frei.
Lösche die Kerze achtsam. Das Wasser kannst du anschließend der Erde zurückgeben, als Zeichen dafür, dass der Prozess vollzogen ist.
So wird das Ritual zur gelebten Spiritualität und Erkenntnis findet ihren Körper.
Wir sind als Individuum nicht vom Stamm getrennt, sondern neu im Feld verortet. Aus freier Wahl und frei in unserer Verpflichtung.
Der nächste, geeignete Vollmond im Krebs finder am 24. Dezember 2026 statt.


