Wenn am Ende der Anfang auf den Abschluss trifft.
Diese Einheit markiert keinen Endpunkt, sondern eine Schwelle. In zweiundvierzig Impulsen habe ich mich einem Prozess überlassen, der seinen Anfang in tiefer Verzweiflung fand. Mit wachsender Aufrichtigkeit habe ich mich mir selbst gegenüber gestellt. Der Weg war nicht unbedingt geradlinig und auch nicht ganz ohne Reibung. Was sich gezeigt hat, war beinahe erschütternd simpel und nicht selten musste ich dem Drang widerstehen, es unnötig kompliziert zu machen. Ich habe gelernt alles stehen zu lassen. Auch das, was teilweise wirr oder beleidigend trivial daher kam.
Jeder Impuls, jede Irritation und jede Erkenntnis haben eine feine Spur im Inneren hinterlassen.
Einheit 42. Integration und Abschluss.
Impuls: Was hat sich in mir vollendet? Was beginnt?
Aufgabe: Schreibe dir selbst einen Brief aus der Zukunft von deinem zukünftigen Ich in einem Jahr. Lies ihn dir laut vor. Stöbere anschließend dir den gesamten Ergebnissen. Und feiere deinen Weg.
Ergänzende Reflexion im Anschluss.
- Wo darf ich meiner feinen Wahrnehmung früher vertrauen, statt erst zu reagieren, wenn Erschöpfung entsteht?
- Wie kann ich meine Sanftheit bewusst als Stärke leben? Auch dort, wo früher Anpassung oder Rückzug aus Angst stattfand.
- Welche neuen Möglichkeiten möchten durch mich geboren werden, wenn ich meinen eigenen Rhythmus schütze und ehre?
Mein Ergebnis.
Marta, hättest du erahnen können, mit wieviel Leichtigkeit du wieder in die Sinnspur findest, hätte alles doch deutlich weniger beschwerlich sein können. Aber die Mühe war nicht umsonst. Dieses Feuer, das dich gebrannt hat, ist Teil der Transformation, die uns heute nährt und trägt. Du bist der Ahnung gefolgt, wie wichtig dir der authentische Kern ist. Nicht müde geworden bist du, wohl aber erschöpft. Achte darauf, dass auch die nächste Etappen fordernde Phasen bringen werden, und nun die Erholung direkt mit eingeplant werden darf. Die Übereinstimmung mit deinem Kern ist essenziell. Du hast gesehen, was geschehen kann, wenn übermäßiger Druck von Außen auf dich wirkt und du dich ohne echte Autorität diesem gebeugt erlebst.
Du hattest Mut, dich gerade zu machen. Unbequem zu werden. Nun stehst du aufrecht und mit dir ich. Erhebe deine Stimme, um nicht zuletzt von dir selbst gehört zu werden. So lange dein Kanal offen ist, kann das Heilsame durch dich wirken. Deine Aufgabe ist nur diese.
Ich weiß, dass du heute schon ahnst, wo ich dich bereits sehnsüchtig erwarte. Und auch ich höre den Ruf der Zukunft, der voll Fülle und Freude uns beide empfangen wird. Das Licht ist mit uns, und dort, ohne Namen, sind wir eins. Der Kreis der unseren wird stetig größer. Und mit der Vereinigung gelingt die Einigkeit. Du wirst den geliebten und tief vermissten Alten wiederbegegnen. Gemeinsam am Feuer werden wir uns wärmen. Und sprechen von den alten und kommenden Tagen, an denen so vieles ins Reine gebracht wird.
Achte auch auf jene, die an deinem Wegesrand sind. Manche von ihnen benötigen jetzt deine Hilfe und dein Geleit. Wo dich das Vertrauen trägt, biete eine Mitnehmgelegenheit. Die Kraft reicht für mehr als eine:n.
Symbolisch ergänzt:
- Wenn sich dieses schmale Zeitfenster von Re-und Aktion öffnet, möchte ich die Wahrnehmung noch schärfen. Ich stehe schon darin und entscheide doch noch zu oft unbewusst. Aber ich stehe da und sehe es immerhin mit einer neuen Wachheit. Ich nehme die Spanne wahr, auch wenn ich aus einer inneren Unklarheit gelegentlich diese unerwünschten Makroentscheidungen treffe. Ich erkenne hier einen Raum, in dem diese Spanne mir Zugang zur darin liegenden Ebene ermöglicht. Von einer Meta-Ebene auf die andere.
- Als jemand, die impulsive Handlungen auch aus der ungeschätzten Perspektive kennt, darf Sanftheit und verzögerte Reaktion definitiv fortan als positives Reaktionsmuster gelten. Was sonst vielleicht wie Schockstarre anmuten könnte, ist in Wahrheit die Erhabenheit, auf eine Reaktion in Härte und verzichten zu können, ohne als schwach zu gelten. Auch Anpassung muss nicht als Schwäche als Reaktion aus Angst gedeutet werden, sondern als starke Reaktion auf etwas, dem ich keinen Widerstand leisten muss.
- Welche neuen Möglichkeiten möchten durch mich geboren werden, wenn ich meinen eigenen Rhythmus schütze und ehre? Ich wäre dann wie eine kleine Naturgöttin, die die Jahreszeiten wirkt. Wenn keine Gegenwehr mehr zu überwinden ist, kann in Harmonie etwas in den Fluss kommen, das seine Berechtigung in sich trägt.

Ergänzende Symbolik. Die Häsin.
Die Häsin ist ein uraltes Symbol für Fruchtbarkeit, Lebenskraft und zyklische Erneuerung. Als nachtaktives, wachsames Wesen bewegt sie sich zwischen den Welten. Zwischen dem Sichtbarem und dem Unsichtbarem. Zwischen Instinkt und Bewusstsein. In vielen Traditionen gilt sie als Mondtier, verbunden mit Intuition, Rhythmus und dem feinen Gespür für den richtigen Zeitpunkt.
Gleichzeitig verkörpert die Häsin Verletzlichkeit und Wachsamkeit. Sie besitzt keine Aggression, ihre Stärke liegt in der wachsamen Wahrnehmung und Schnelligkeit. Bedeutsam ist ihre Fähigkeit, Gefahren früh zu erkennen und schnell zu reagieren. Spirituell gelesen steht sie für eine intelligente Sanftheit, die nicht kämpft, sondern ausweicht, wählt und sich selbst schützt.
Als weibliches Symbol trägt die Häsin zudem die Qualität des Gebärens. Dies gilt nicht nur für das Leben, sondern auch für Möglichkeiten, Wege und neue Realitäten. Sie weiß, wann Rückzug nötig ist und wann das Feld bereit ist, betreten zu werden.
Hüterin des Kerns.
In unserem Abschluss- und Integrationsprozess erscheint die Häsin als Hüterin des authentischen Kerns. Sie steht für den Teil in uns, der gelernt hat, früh wahrzunehmen, wann äußerer Druck uns vom Selbst entfernt. Anstatt aus dieser gefährdeten Position, treten wir jetzt aus bewusster Selbstachtung in Aktion. Die Häsin verbindet sich mit dem Feuer der Transformation, das uns nicht verbrannt, sondern geklärt hat. Sie vereint sich mit der Symbolik, aufrechte Entscheidungen zu treffen, ohne zu verhärten.
Sie passt besonders zu dem Bild des offenen Kanals. Denn die Häsin drängt nicht. Sie ist einfach da und empfänglich. Unmittelbar bereit zur Reaktion, ohne die Handlung zu überstürzen. Wachsam mit ihren Ressourcen wirkt Heilsames durch sie; in harmonischer Resonanz mit ihrem inneren Rhythmus.
Was mir früher als Unsicherheit erschien, erkenne ich heute als bewusste Weite.
Mit dem Abschluss dieses Weges integrieren wir nicht nur Erkenntnisse, sondern auch die Fähigkeit, innezuhalten. Wir erkennen die Würde in der verzögerten Reaktion und die Kraft der Freiheit, nicht jedem inneren oder äußeren Impuls sofort folgen zu müssen.
Wir ehren den Mut, der uns aufrecht gehalten hat. Dieser Prozess hat uns nicht in etwas Neues verwandelt. Er hat uns mittels Erkenntnissen an unser Selbst näher geführt. Jede hier gewonnene Information ist nicht die Wahrheit, aber ein Mittel, uns dieser wortlosen Sphäre anzunähern. Denn dort wo die Antwort liegt, braucht es weder Wort noch Tat, um aufrichtig verbunden zu sein.

