Die stille Ordnung.

Die stille Ordnung.

In dieser Einheit wenden wir uns dem kooperativen Miteinander zu und lernen, wie Resonanz und Dissonanz uns selbst im Miteinander spiegeln. Wir sehen, wie jede Bewegung im Gegenüber in uns selbst ihren Ursprung hat und werden eingeladen, achtsam die Freiheit hinter der Wahl unserer Intention und Reaktion zu erkennen. Wir erleben dann ein Feld, in dem Begegnung nicht durch Kontrolle, sondern durch innere Klarheit und feine Ausrichtung gestaltet wird.

Einheit 40. Resonanzfeld im Miteinander.

Impuls: Mit wem kann ich mich verbinden, statt zu vergleichen?
Aufgabe: Schreibe einer Person eine wertschätzende Nachricht. Notiere: Welche Verbindungen nähren mich?

Welche Verbindungen mich mehren, ist erstmal leicht gesagt, aber ich vermute, dass ich hier eine kleine Überraschung finden kann. Verbindungen die auf gegenseitiger Wertschätzung beruhen. Auf Augenhöhe und mit einer Klarheit. Klarheit ist dabei ein neuer Aspekt. Vielleicht steht er widersprüchlich zum Thema Augenhöhe. Aber vermutlich auch auch nicht. Denn gewisse Grenzen und Positionen zu wissen stellt die Augenhöhe nicht in Frage. Oder vielleicht geht es auch darum, eine Klarheit in puncto Augenhöhe zu gewinnen. Je mehr ich verstehe, wie wenig Einfluss wir A) auf das Gegenüber haben mit gleichzeitiger Implikation B), dass das Gegenüber auch ich ist und entsprechend nur in mir stattfindet, formen sich Beziehungen neu.

Immer wieder wird klar, wie essenziell die eigene Achtsamkeit im Moment der Interaktion ist. Reflexion ist schön und gut und kann im Nachgang noch zu Erkenntnissen führen. Aber durch Interaktionen zu rutschen und im Affekt zu agieren kann einerseits freudvoll sein, aber andererseits vielleicht zu Missverständnissen beitragen. Aber das bringt uns wieder zurück zu A) und lässt uns nur noch das verweilen in der guten Hoffnung, dass die Intention ausreichen muss. Und diese kann ja vielleicht auch im Vorfeld der Interaktion bestimmt werden.

Hier kommt wieder zart hindurch, wie ich mit dem Aspekt des freien Willens hadere. Wenn es immer um die bewusste Wahl geht, warum fällt sie uns zuweilen so schwer? Wenn der freie Wille frei ist, warum ist er im Alltag so schwer zugänglich? Wer wählt schon ein Leben im Autopilot Modus, wenn die Fülle der Auswahlmöglichkeiten uns zu Füßen liegt?

Die stille Ordnung.

Ergänzende Symbolik. Leibniz als Wegweiser zur inneren Ordnung.

Leibniz erscheint hier wie ein feiner gedanklicher Wegweiser. Ein Symbol für die stille Ordnung hinter den Dingen. Er deutet auf die Harmonie, die selbst dort wirkt, wo wir nur ein Durcheinander zu sehen meinen. In seiner Philosophie existieren unzählige Monaden. Diese kleinen Bewusstseinszentren tragen zwar ihre eigene innere Perspektive resonieren dennoch auf geheimnisvolle Weise miteinander. Nichts beeinflusst direkt das andere und doch entsteht ein großes Ganzes. Wie ein Gewebe von Sinn und Bedeutung.

Damit können wir durch Leibniz einen Verweis auf etwas Wesentliches im Kontext unserer Beziehungen finden. Wir können niemanden formen. Und dennoch entsteht Verbundenheit und gegenseitige Einflussnahme durch Resonanz. Durch das, was wir ausstrahlen. Durch innere Klarheit.

Sein Auftreten im Symbolfeld dieses Themas erinnert uns daran, dass Kooperation nicht das Ergebnis eines äußeren Bemühens ist, sondern eines inneren Einklangs. Die Welt spiegelt uns, wozu wir bereit sind. Beziehungen ordnen sich nicht durch Analyse, sondern durch Frequenz. Damit steht Leibniz für drei Impulse.

Innere Architektur. Der Ursprung jeder Verbindung.

Innere Architektur: Alles beginnt im Inneren. Die Struktur, die wir dort kultivieren, prägt jede Interaktion.
Die Innere Architektur beschreibt die Gesamtheit unserer inneren Ausrichtung: Gedanken, Werte, Emotionen, die Qualität unserer Wahrnehmung und Intention. Die Aussage betont, dass Beziehungen nicht primär von äußeren Strategien bestimmt werden, sondern von dieser inneren Struktur.

Wenn in dieser Einheit also die Rede ist von Klarheit, Achtsamkeit im Moment der Interaktion und der Erkenntnis, dass das Gegenüber letztlich in uns selbst stattfindet (also genau dieser inneren Struktur), finden wir eine Entsprechung zu dieser inneren Architektur.

Harmonie ohne Kontrolle. Resonanz als Wegweiser.

Harmonie ohne Kontrolle: Verbindung entsteht durch das, was wir sind, nicht durch das, was wir tun.

Resonanz an sich findet immer statt. Gelegentlich als empfundene Dissonanz. Auch als Reibung. Oder als Unbehagen. So wird also selbst Dissonanz zu Resonanz: Ein Reagieren, Mitschwingen, Antwort geben. Wir vermuten also, dass es keine keine resonanzfreie Interaktion gibt. Nur unterschiedliche Qualitäten von Resonanz. Damit ist Dissonanz nicht „Nicht-Resonanz“, sondern ein Hinweis auf eine innere Bewegung, die ausgelöst wurde. Die Art der inneren Schwingung bestimmt, welche innere Struktur dadurch berührt wird.

Dissonanz ist demnach keine Störung der Verbindung, sondern eine Form von Verbindung, die uns auf etwas Ungeordnetes in uns aufmerksam macht. Wenn wir Dissonanz wahrnehmen, lädt sie uns also ein, nach innen zu blicken. Denn sie zeigt weniger, was am anderen anders sein sollte, sondern vielmehr, wo eine innere Bewegung nach Ordnung, Verständnis oder Heilung ruft.

Wahl als feine Bewegung. Freiheit im Kleinsten.

Wahl als feine Bewegung: Der freie Wille äußert sich nicht in großen Entscheidungen, sondern in kleinen Ausrichtungen. Und zwar immer wieder, in jedem Moment.

Der freie Wille ist weniger eine große, dramatische Entscheidung als eine fortlaufende, subtile Ausrichtung unseres Bewusstseins. Eine stille Mikro-Bewegung, die sich in jedem Moment erneuert. Wir dürfen uns fragen: Wie schaue ich? Aus welcher Haltung trete ich in Kontakt? Welche Intention begleite ich in die Interaktion?

Philosophisch bleibt diese Sichtweise stimmig und tief. Sie korrigiert die Vorstellung, Freiheit sei nur in großen Lebenswendungen sichtbar. Denn in praktisch allen spirituellen Traditionen gilt freier Wille nämlich als fundamentaler Bestandteil menschlichen Bewusstseins. Wenn wir ihn also oft nicht wahrnehmen, bedeutet das nicht, dass er nicht wirkt. Sondern, dass womöglich nur unser Blick auf ihn verstellt ist und wir ihn nicht dort suchen, wo er sich zeigt.

Damit sind wir eingeladen, hinter das scheinbar Automatische zu schauen. Hinter verinnerlichte Routinen, unkoordinierte Affekte oder mustergültige Gewohnheitsreaktionen. Denn auch automatisierte Entscheidungen könnten einen Ursprung in einem einst gewählten Fokus finden. Vielleicht erkennen wir dann eine Haltung, die sich eingeschliffen hat. Durch eine Ausrichtung, die wiederholt wurde und damit die eigentliche Bewegung sichtbar macht.

Das macht der Idee Raum, dass der freie Wille in einer solchen Feinheit stattfindet, dass er uns unter einer kurzen Draufschau verborgen bleibt. Um zu erkennen sind wir demnach eingeladen, die Automatik nicht als unbewussten Feind, sondern als Spur zu begreifen. Eine Spur, die zurückführt zu einer stillen inneren Wahl, die wir wieder neu entdecken können.

Damit bekommt dieser gedanklicher Faden eine neue Tiefe. Die Schwierigkeit, den freien Willen im Alltag wirklich zu spüren, ist kein Mangel an Freiheit. Sondern eher die feine, überhörte Art, wie sich dieser freie Wille zeigt. Eben nicht als dramatischer Akt, sondern als eine Mikrojustierung des Bewusstseins. Als Intention vor der Interaktion. Als Hinwendung.

Interaktion als Spiegel der inneren Ordnung.

Kooperation entsteht im Moment, in dem sich unsere innere Ordnung, also unsere Resonanzbewegung und die feinen Entscheidungen unseres freien Willens aufeinander einlassen. In uns selbst und in der Beziehung zu dem Menschen, der uns gegenübersteht.

Wir bewegen uns stets in einem Feld wechselseitiger Wirkung, daher ist Dissonanz auch nicht direkt die Abwesenheit von Resonanz. Wenn wir lernen zu beobachten statt zu werten, also weder uns noch andere ab- oder aufzuwerten, werden die feinen inneren Mikrobewegungen deutlicher sichtbar. Wir erkennen dann, wie unzählige kleine Entscheidungen ein größeres Ganzes formen. Ein gemeinsames Ganzes, das sich selbst formt.

Welche Momente der Dissonanz in meinen Beziehungen laden mich ein, zuerst in mich selbst zu schauen, anstatt den anderen ändern zu wollen?

Ich schätze, alle Dissonanzen. Ich erkenne, dass alles, was in mir in Schwingung geraten kann, ein Teil von mir sind und nicht im anderen liegen können. Wenn also ein Gefühl der Unstimmigkeit in der Interaktion entsteht, dann wird etwas in mir aktiviert, was ich als unliebsam bewerte. Statt also den Fehler im Gegenüber zu suchen (und mit unverschämter Leichtigkeit zu finden), darf ich anerkennen, dass es einen Anteil in mir gibt, der eine Energiequalität trägt, die mir nicht bequem ist. was auch immer ich im Gegenüber verursacht finde, liegt de facto in mir. Und dort hat es ein Anrecht zu sein. In der Akzeptanz liegt die Freiheit des Friedvollen.

Wie kann ich mein Bewusstsein so schärfen, dass ich die kleinen inneren Ausrichtungen und Mikroentscheidungen erkenne, die unbewusst zu einem größeren Ganzen beitragen?

Zunächst wird es helfen, die Erkenntnis oder Idee wirken zu lassen, dass nichts von allem, was ich tue, unfrei ist. Also auch jene Handlungen nicht, die ich retrospektiv ärgerlich zur Kenntnis nehmen muss und zuvor als „aus Versehen“ abgestempelt habe. Ich werde versuchen mit dieser wohlwollenden Haltung zu beobachten, wie diese Erkenntnis bzw. Idee Zugang zu weitern Wahrheiten liefern kann.

Wie klar bin ich mir meiner inneren Architektur, Resonanz und feinen Willensimpulse, wenn ich in Verbindung mit anderen trete und wo könnte mehr Bewusstheit entstehen?

Mit der erneuten Erkenntnis, dass jedwede innere Bewegung ihren Ursprung in mir findet, kann diese bewusste Hinwendung eine neue Qualität finden. Damit wird das Feld frei für die Überzeugung vieler Lehren, dass wir im anderen uns selbst begegnen.