Ein kleiner Neubeginn.

Ein kleiner Neubeginn.

Unser Weg zeigt sich manchmal nicht in großen Visionen. Wenn wir uns fragen, was heute möglich ist, können wir schlicht und einfach den Druck rausnehmen. Und genau das tut diese Einheit. Sie begreift den nächsten Schritt nicht als Leistung, sondern als lebendige Beziehung zu dem, was uns im Innersten bewegt. Wir bleiben im eigenen Tempo und agieren aus unserer sicheren Mitte. Von dort aus entsteht ein Schritt, der winzig anmuten mag, aber in die Richtung führt, in die es uns zieht. Ein Schritt, der aus dem Jetzt erwächst und deshalb wahr ist.

Einheit 37. Der nächste konkrete Schritt.

Impuls: Was kann ich heute tun, ohne mich zu überfordern?
Aufgabe: Halte deine linke Hand auf Herzhöhe, deine rechte auf den Bauch. Verweile einige Augenblicke, bis du dich zentriert fühlst und im Moment angekommen bist. Schreibe: Ein Schritt, der mir jetzt möglich ist…

Ein Schritt, der mir jetzt möglich ist, ist der bewusste und achtsame Umgang mit mir selbst. Ich habe bereits erkannt, dass meine Fähigkeiten im Umgang mit anderen stark davon abhängen, wie viel Fürsorge ich mir selbst angedeihen lasse. Der Schritt, den ich heute direkt umsetzen kann, ich rücksichtsvoll mit mir zu sein. Mir nur so viel abverlangen, wie realistisch ist.

Ich gehe meinen Weg bereits und handle entsprechend der Impulse, die ich erhalte. Hier darf ich weiter gehen, so lange es sich stimmig anfühlt. Ich vertraue darauf, dass ich in Kontakt bleibe mit dem Fluss, solange ich die Weite in mir nähre. Und das geschieht nur, wenn ich mich selbst nicht beenge.

Der Schritt den ich heute gehen werde, ist den Timer auf 45 Minuten zu stellen. Mit einer sanften Melodie, die mich immer wieder sanft erinnert.

Ein kleiner Neubeginn.

Ergänzende Symbolik. Der Tod.

In der spirituellen Symbolik steht der Tod nicht für das Ende, sondern für die Wandlung. Er ist das Tor, durch das das Alte abtritt, damit das Neue entstehen kann. Der Tod erinnert uns daran, dass nichts statisch bleibt und dass jeder Schritt des Lebens ein Kreislauf aus Werden, Vergehen und Erneuerung ist. Er bringt die Qualität der Entlastung mit. Das Abstreifen dessen, was uns nicht mehr dient, und das liebevolle Loslassen von Formen, Rollen und Erwartungen, die wir überwachsen haben.

Der Tod ist auch ein Symbol für Klarheit. Er trennt das Wesentliche vom Unwesentlichen. Er zeigt, was trägt und was gehen darf. Deshalb ist seine Energie nicht düster, sondern reinigend. Eine große Rückkehr zur Essenz.

Die heutige Einheit widmet sich dem nächsten konkreten Schritt. Einem Schritt, der möglich ist, ohne zu überfordern. Der Tod verweist hierbei auf eine leise, aber kraftvolle Erkenntnis. Manchmal entsteht der nächste Schritt erst, wenn wir etwas Sterben lassen. Das kann eine Erwartung an uns selbst, ein überhöhtes Tempo oder die Vorstellung sein, wie „Entwicklung“ aussehen sollte. Oder vielleicht die Strenge, die uns die Freiheit zur lebendigen Gestaltung nimmt.

Im Licht dieser Symbolik bedeutet der beschriebene Schritt heute, dass das Zuviel aus dem System entlassen werden darf, um dem Stimmigen Raum zu geben.

Wir wählen ein Zeichen dafür, dass uns nicht antreibt, sondern sicher begleitet. Der Tod als Symbol lehrt uns, dass jeder achtsame Moment der Selbstfürsorge eine Form von Neubeginn ist. Und dass unsere Kraft sich entfaltet, wenn wir das Überfordernde gehen lässt und das realistisch Machbare einladen.

Welcher innere Anspruch darf heute gehen, damit ich in echtes Gleichgewicht zurückfinde?
Es wäre definitiv der Anspruch an Perfektion. Ich kämpfe nach wie vor regelmäßig mit den Blockaden, die aus einem Gefühl der Unzulänglichkeit erwachsen. Wenn ich aber immer wieder in meine Stärke kehre, bin ich an einem Ort, der mich vor derlei Gefühlen schützt. Spannend ist die Verknüpfung, dass dieser Anspruch erst mein Gleichgewicht stört. Zunächst fühlte es sich an, als sei es umgekehrt. Der Mangel an Gleichgewicht, der dieses Perfektionsstreben auslöst. Es ist sicherlich eine Mischform. So oder so erkenne ich im Laufe dieses Prozesses gepaart mit der Aktivierung meiner Kreativität, dass das jeweilige Ergebnis nicht von Belang ist. Perfektion oder Versagen keine Attribute vom Ergebnis sind. Perfekt ist es, wenn man oder besser: ich mich auf einen Prozess einlasse. Auf etwas, das werden will. Wenn ich frei von der Beurteilung des Endproduktes bleibe sondern nur den Weg betrachte.

Ich habe am Wochenende bei einer Ausstellung eine fundamentale Begegnung mit einem Fisch. In einer Audiovisuellen Installation fragte die Künstlerin, maskiert als Fisch: Wäre ich ein Fisch, würdest du da den Weg verurteilen, den ich einschlage?

Und so gehe ich nun als Fisch, und versuche den Weg zu gehen, den ich will. Weil es der meine ist. Wieso sollte mein Weg mehr Angriffsfläche bieten als die Route, die ein Fisch nimmt? Sind wir nicht frei den Strömungen zu folgen, die sich in uns und um uns herum befinden? Ich gehe also einen Pfad, der sich für mich stimmig anfühlt. Darin liegt die Perfektion. Vielleicht muss ich also nicht den Anspruch an Perfektion ablegen. Sondern erkennen, dass Perfektion nichts ist, das durch Handlung ins Ergebnis fließt, sondern durch Sein ins Leben.

Welche kleine Handlung fühlt sich wie ein Neubeginn an, nicht weil sie groß ist, sondern weil sie wahr ist?
In mir entsteht automatisch das Bild des klaren Wassers im Gesicht. Das ist so wahr wie nur irgendwie was. Ein kleiner Neubeginn am Morgen. Löst das Vergangene der Nacht und schafft den klaren Übergang in den neuen Tag.

Wo spüre ich bereits die Erleichterung, die entsteht, wenn ich mich selbst nicht mehr überfordere?
Im Kopf, auf dem Kopf. Im Bauch, in der Kehle. Mein ganzes System entspannt sich. Meine Hände beginnen innerlich zu schweben. Ich spüre Weite in der Brust. Wenn ich mich nicht einzwinge in Bedrängnis, dann folgt die Leistungsbereitschaft ihren eigenen Gesetzen.

Der Weg der Impulse führt uns nicht über den Pfad der Logik und des Perfekten, sondern zur Wahrheit des Stimmigen. Wenn wir das Erzwungene entlassen, entsteht Raum für Klarheit, Leichtigkeit und Neubeginn. Das heutige Symbol führt uns sanft an diesen Übergang heran. Es zeigt, dass wir manchmal etwas loslassen müssen, um das zu erreichen, was jenseits der Wandlung liegt. Dieser kleiner Schritt wird zu einer kraftvollen inneren Hinwendung, wenn er mit Achtsamkeit gegangen wird. Während wir uns erlauben, in unserem eigenen Rhythmus zu bleiben, öffnet sich der innere Weg wie von selbst.