Wir sind schon eine Weile gemeinsam auf diesem Weg und haben schon auf verschiedene Weise mit der Idee der Berufung gearbeitet. Mit dieser Einheit beginnen wir das Modul 6, mit dem wir in der Welt ankommen wollen. Das Ziel ist es, unsere Essenz konkret zu leben. In aller Sichtbarkeit, Wirksamkeit und Verbundenheit.
Wir wissen: Da ist etwas, das durch uns in die Welt möchte. Wenn wir fortlaufend diesem Ruf lauschen, ermöglichen wir damit diesen feinen und zielgerichteten Klärungsprozess. Berufung zeigt sich dann weniger als Ziel, sondern als lebendige Beziehung zu dem, was uns im Innersten bewegt.
Einheit 36. Berufung spüren.
Impuls: Was ruft mich?
Aufgabe: Meditiere mit der Frage: Was ist mein Dienst an dieser Welt? Notiere im Anschluss spontan: Mein innerer Auftrag ist…
Mein innerer Auftrag ist, die Leichtigkeit in die dunkleren Ecken zu transportieren. Auf gewisse Weise bin ich hier als Vermittlerin. Ich kann allerdings noch nicht ganz klar festmachen, wo zwischen. Mein innerer Auftrag ist es, Balance herzustellen. Ein Gleichgewicht zu schaffen, mit dem wir einen Blick hinter die Schleier werfen können.
Erst in dieser Balance schärft sich unser Blick für einen essenziellen Zusammenhang. Das hin und her gerissen Sein verschiebt unseren Blick. Zwischen Freud und Leid, Körper und Geist. In der Vereinigung liegt die Kraft. Und irgendwie höre ich diesen Ruf.
Milde. Sanftmut. Seligkeit. Mein innerer Auftrag ist es, in diesen Zustand zu geleiten. Mich und euch.

Ergänzende Symbolik. Der Rotklee.
Rotklee galt seit jeher als Pflanze des irdischen und spirituellen Segens. Man schrieb ihm Heilkräfte zu, Schutz vor Unglück und die Fähigkeit, verborgenes Wissen zu offenbaren. Besonders vierblättrige Kleeblätter galten als Botschafter des Günstigen, als kleine Tore zu einer tieferen Ordnung.
Dass eines der Blätter angerissen ist, zeigt ein anderes, reiferes Verständnis von Glück: Es muss nicht vollständig sein, um wirksam zu wirken. Oft entsteht gerade durch das, was nicht ganz heil ist, der Zugang zu Weisheit, Empathie und innerer Weite.
In manchen Traditionen galt er als Symbol für das Zusammenspiel der Kräfte: Erde, Herz, Körper, Geist. Das vierte Blatt, das selten ist, steht für das Unerklärliche. Die Gnade, die uns zufällt.
Der hundertjährige Rotklee erzählt genau das, was die vorliegende Antwort ausdrückt. Dass es ein Dienst ist, die Leichtigkeit in die dunkleren Ecken zu tragen. Ein Gleichgewicht herzustellen. Den Schleier zu lüften. Das vermittelnde Element findet sich darin, dass wir dann nicht über den Welten stehen, sondern zwischen ihnen. Und gerade dadurch, dass wir hierin noch nicht vollkommen sind, macht uns zugänglich, menschlich und durchlässig für die Stimmen der Tiefe, um auch an der Oberfläche noch wirksam zu sein.
Denn Berufung ist selten ein makelloses Geschenk. Sie ist ein gelebtes, atmendes, gewachsenes Zeichen. Genau wie der Klee, der hundert Jahre überdauert hat und uns sanft erinnert: Das Wesentliche ist frei von Zeit.
Wo in meinem Leben wirke ich bereits wie der Rotklee, beständig, verbindend und als stilles Licht in Übergängen?
Ich denke das tue ich immer, wenn ich mit anderen zusammen bin. Vorausgesetzt, ich stehe gerade in meiner Mitte. Ich denke es gelingt auch erst, seit dem ich gelernt habe, mein Licht zu regulieren. Also das ist jetzt schwer auszudrücken, aber ich habe das Gefühl, dass ich früher auf sehr unvernünftige Art zu viel auf einmal gewirkt habe. Damit am Ziel vorbei geschossen bin und auch keine Rücksicht auf meine inneren Ressourcen genommen habe.
Heute kann ich dieses verbindende Element halten. Wo früher Maßlosigkeit fast schon unsittliche Dekadenz zur Folge hatte, greift mehr und mehr die innere Sanftmut.
Welche besondere vierte Qualität, jenseits des Offensichtlichen, möchte in mir lebendig werden und meinen inneren Auftrag vervollständigen?
Die vierte Qualität, die meinen inneren Auftrag vervollständigen möchte, ist der Zusammenhalt im Ganzen.
Das Vereinende. Dasjenige, das den Einzelnen stärkt und damit zum lebendigen Beitrag an der Einheit wird. Wer in sich heil und ganz ist, verliert die illusorische Grenze und wird zu einem beweglichen, kraftvollen Teil der Einheit.
Wenn wir all diese Ebenen zusammenfügen, entsteht ein Bild unserer wahren Aufgabe. Durchlässig für das, was in und durch uns wirken möchte. Wahre Berufung liegt nicht im Makellosen, sondern im Gewachsenen, im Gelebten und im Verbundenen.
Die vierte Qualität macht deutlich, welche Kraft im Vereinenden liegt. Wenn ein Einzelnes heil wird, wird dadurch die Gemeinschaft gestärkt. Und so wird dein Weg zu einem Beitrag an die Welt. Ein Auftrag, der sich selbst nicht erklären muss.


